2006
Projektinfos

Studienauftrag: 2006
Bauherrschaft: Sunrise AG, Zürich
Mitarbeit: Roger Küng, Felix Kammann
mit Bureaux Bölsterli, Integral Ruedi Baur

Gerüstestangen statt Samthandschuhe

Leicht liesse man sich zur Aussage hinreissen, die Beschriftung des Sunrise Towers sei ein notwendiges Übel, etwas, dass zwangsläufig die architektonische Ausdruckskraft des Bauwerks schmälert und daher – wenn überhaupt – so klein wie möglich gehalten werden müsse. Der Anspruch des Mieters, ihren Turm mit einer publikumswirksamen Signaletik zu versehen ist allerdings nicht nur verständlich, sondern auch gerechtfertigt.

Mit unserem Vorschlag wollen wir diesen Konflikt an diesem speziellen Ort aufnehmen und thematisieren. Es ist unsere Absicht, der strengen, fast unnahbaren Architektur des Bauwerks mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Eine gute Portion Ironie gesellt sich zum mächtigen Geäude und macht dessen nüchterne Klarheit noch augenfälliger. Eine möglichst behutsame Integration der Beschriftung in die bestehende Architektur wird bewusst nicht gesucht, sie wird als eigenständiger Gebäudeteil verstanden. Die Samthandschuhe werden abgelegt, die Gerüstestangen in die Hand genommen. Das Provisorische nimmt auf dem Ewigen Platz – und fühlt sich sogar wohl dabei. Denn der Platz, den die Beschriftungsinstallation einnimmt, ist ebenfalls auf dem Sockel und beansprucht exakt die gleiche Fläche wie die beiden daneben stehenden Türme. Es handelt sich sozusagen um die Errichtung des «fehlenden Turmes» in Form eines Gerüstes. Dabei ist der Beschriftungsturm nicht als Komplettierung des Bauwerkes zu verstehen, sondern vielmehr als schmunzelnder Gegenpol.

Der Vorschlag einer grossformatigen Installation als Gebäudebeschriftung ist als städtebaulicher Akzent zu betrachten. Das Konzept ist dabei nicht auf eine singuläre Anwendung ausschliesslich für die Sunrisetower angelegt, sondern als zusätzliches Identifizierung für den gesamten Block. Sobald die Gebäude (aus der Planung von Max Dudler) abgeschlossen sein werden sollen bis zu 3 Installationen an definierten Standorten auf dem Sockelbau Platz finden. Für die einzelnen Standorte werden jeweils charakteristische und signifikante Strukturen entwickelt, die zum einen eine Differenzierung des gleichförmigen Gebäudekomplexes ermöglichen und zum anderen Grossmietern als Plattform dienen, ihre Präsenz am Standort zu markieren. Die Attribute Leichtigkeit, Filigranität und Volumen bilden dabei die Spielregel für die Weiterentwicklung der strukturellen Basis. Die Merkmale Großzügigkeit und Exklusivität sowie die Beschränkung auf nur eine Information für jeden Standort sind notwendige Auflagen für die nachhaltige und qualitativ hochwertige Vermarktung dieser Aufbauten, die dem Anspruch der Architektur entsprechen.

Die Tragstruktur birgt das grosse Potential, nicht nur Träger der Buchstaben zu sein, sondern selbst Teil der Beschriftung zu werden. Natürlich lässt der Rahmen dieses Wettbewerbes eine abschliessende Entwicklung dieser Tragstruktur nicht zu, entscheidende Aussagen über das mögliche Erscheinungsbild dieses Gerüstes können jeoch bereits gemacht werden: Die Konstruktion soll handwerklich präzise und konstruktiv logisch erfolgen. Gesucht wird nach einem Stabsystem, wo jedes Teil das andere bedingt, wie bei einem Mikado, wo kein Stab herausgezogen werden darf, ohne das gesamte Konstrukt zu zerstören. Eine mögliche Umsetzung, die mit der Nüssli AG ausgearbeitet wurde, zeigt sich in der Verwendung von herkömmlichen Gerüstestangen. Mit der Berechnung eines vereinfachten statischen Modells wurden Ergebnisse erzielt, die für eine vielversprechende Weiterentwicklung sprechen.

Durch die Überlagerung von Buchstaben und Stäben wird die Beschriftung, je nachdem wie man sich bewegt und von wo aus man den Turm betrachtet, verschieden wahrgenommen. Dieses für Werbeschriften ungewohnt spannungsreiche Erscheinungsbild soll diesem Ort auch seine Einzigartigkeit zusprechen. Auch präsentiert sich die Beschriftung am Tag anderst als in der Nacht. Ist am Tag das Volumen der fragil wirkenden Tragstruktur gut ablesbar, ist es in der Nacht lediglich ein Schriftzug der hoch oben, auf 40 Metern über Boden, zu schweben scheint. Das Gerüst lässt sich dann lediglich erahnen.