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2018
Projektinfos

Studienauftrag: 2018, Auftrag zur Weiterbearbeitung
Bauherrschaft: privat
Mitarbeit Wettbewerb: Julia Geissler, Lucien Villiger, Lea Frauenfelder, Jonas Ringli, Tenzin Dawa Tsamdha
Mitarbeit Planung: Thomas Rutishauser / Projektleiter, Yves Rechsteiner

Studienauftrag Kreuzstrasse, Uster

Die neue Wohnüberbauung nimmt mit dem vorgeschlagenen Z-förmigen Gebäudekörper die bestehende Körnigkeit auf dem ehemaligen Gewerbeareal auf und bildet auf der Nordwestseite zur Kreuzung Kreuzstrasse / Rännefeldstrasse einen Vorplatz und auf die Südostseite einen privaten Gartenraum aus. In seiner Volumetrie und der architektonischen Ausformulierung thematisiert er das Wohnen im suburbanen Umfeld, das weder städtisch noch ländlich sein will.

Der mit drei Linden bepflanzte und mit einem grossen Spielbrunnen möblierte Kiesplatz bildet zusammen mit den erdgeschossigen Ateliernutzungen das Scharnier zwischen dem Quartier und der neuen Wohnüberbauung. Die drei vorgeschlagenen Linden bringen die bereits vorhandene strassenbegleitende Platanenreihe auf dem kleinen Platz zu einem räumlichen Abschluss. Der Platz der neuen Bebauung, die bestehende Strassen- und die neue markante Platzbepflanzungen werten die Kreuzstrasse zusammen mit dem benachbarten Gartenrestaurant Feldegg zu einer weiteren identitätsstiftenden Quartierstrasse in Uster auf. Eine Vielfalt von blühenden Bäumen, farbigen Ziersträuchern, ein verschlungenes Netz von Kieswegen, weichen Rasenflächen, Spielplätzen und Bänken bilden auf der Gebäuderückseite als bereichernder Gegenpol eine lauschige Garteninsel für den Aufenthalt der grossen und kleinen HausbewohnerInnen.

Eine mittig in den Gebäudekörper eingeschnittene Aussenhalle verbindet die beiden in Funktion und Atmosphäre ganz unterschiedlichen Aussenräume – den Baumplatz und den Garten. Die zweigeschossige Halle bildet einen gemeinschaftlichen regen- oder sonnengeschützten Ankunftsort und Aufenthaltsraum für alle Bewohner. An der Rännefeldstrasse befinden sich in den Gebäudekörper integriert die Tiefgaragenabfahrt und die durch eine Robinienreihe gesäumten Besucherparkplätze.

Das viergeschossige Wohnhaus wird strassenseitig durch ein Ateliergeschoss, ein auskragendes Vordach zum Platz und das an den Längsseiten eingezogene bzw. an den Schmalseiten fassadenbündige Attikageschoss in der Vertikalen gegliedert. Ein formales Vokabular bestehend aus einer zweigeschossigen luftigen Säulenhalle, filigranen Eckveranden, geschosshohen französischen Fenstern und eine gartenseitigen Loggiaschicht ermöglichen es den Baukörper je nach Lage zum Platz, zur Strasse oder zum Garten ortsspezifisch auszubilden. Baurechtlich setzt sich das Volumen aus einem nichtanrechenbaren Untergeschoss auf Platzniveau, drei anrechenbaren Vollgeschossen und einem nicht anrechenbaren Dachgeschoss zusammen. Die zonengemässe Gebäudehöhe von 11.40m kann gemäss Abklärungen mit dem Bauamt Uster im Rahmen einer Arealüberbauung überschritten werden.

Von der zweigeschossigen gemeinschaftlichen Aussenhalle mit Spielgalerie führen zwei Eingangshallen an den verglasten Ateliers bzw. den gartenseitigen Erdgeschosswohnungen vorbei zu drei zenital beleuchteten Treppenhäusern und den Veloräumen an den Hallenenden. Die grosszügigen Treppenhäuser erschliessen sehr effizient jeweils 3 oder 4 Wohnungen pro Geschoss. Die meisten Atelierräume können für die Bewohner direkt von der Eingangshalle her erreicht werden. Sie verfügen alle auch über einen für allfällige externe Mieter idealen direkten Zugang zum Platz und tragen mit dazu bei den strassenseitigen Aussenraum zu beleben.

Die 40 Wohnungen sind entweder Eckwohnungen oder erlauben das Wohnen zwischen Strassen- und Gartenraum. Die Wohnungsgrundrisse setzten sich aus einfachen Raumkammern, Raumenfiladen und Raumclustern zum Wohnen oder Schlafen zusammen. Die meisten Wohnungen zeichnen sich durch eine Wohnraumenfilade bestehend aus einer grossen Wohnküche und einem Salon, die miteinander durch eine Doppelflügeltür verbunden sind aus.

Die über der Zugangshalle angeordneten Wohnungen thematisieren durch einen hallenartigen durchgesteckten Wohnraum das Wohnen zwischen Platz und Garten. Im 2. und 3. Obergeschoss kann bei diesen Wohnungen mittels Schiebetüren der Essbereich von der Wohnhalle abgetrennt und auch als autonomes Zimmer gelesen werden. Durch dieses Jokerzimmer kann die Wohnung durch die Bewohner als grosszügige 3.5-Zi-Wohnung oder als im Flächenverbrauch sparsame 4.5-Zi- Wohnung genutzt werden. Auch bei vier Eckwohnungen kommt dieser Jokerzimmereffekt zum Tragen. Im weiteren bieten 8 Schaltzimmer die Möglichkeit den Wohnungsschlüssel flexibel anzupassen. Die Wohnungen werden zusätzlich durch ihre spezifischen privaten Aussenräume geprägt. Sie verfügen entweder über eingezogene Eckveranden zur Strasse oder zum Platz oder eine durchgehende vor die Zimmer gestellte luftige Loggia zum Garten hin. Die erdgeschossigen Wohnungen sind über die Loggia direkt mit dem Garten verbunden. Die Attikawohnungen zeichnen sich durch eine strassen- und gartenseitige Dachterrasse aus.

Die Konstruktionssysteme Beton und Holz prägen in ihrer Leichte und Schwere die Wohnatmosphäre des Wohnhauses und interpretieren zusätzlich seine Situierung zwischen Platz und Garten. Das Kellergeschoss, die Eingangshallen und die Treppenhäuser sind in Ortbeton gegossen und bilden die Basis und die Aussteifung für die eigentlichen Wohngeschosse in Holzbauweise. Die Geschossdecken sind aus akustischen und ökonomischen Gründen als Holz-Beton-Verbunddecken (Brettstappel/ Beton) konstruiert. Die hölzerne Untersicht der Brettstappeldecke wird als Decke sichtbar belassen und der Betonverbund wird mittels eines geschliffenen und versiegelten Unterlagsbodens aus Anhydrith abgebildet. Vorfabrizierte, fermacellverkleidete Holzständerelemente bilden die tragenden und nichttragenden Innenwände. Die mit Tapeten bespannten Wandelemente werden allseitig gerahmt durch das Deckenauflager, die Sockelleisten und die Türzargen. Die Aussenwände aus vorfabrizierten Holzelementen werden bauseits mit gestemmten, mit einer schützenden Vorvergrauungslasur behandelten Holzplatten verkleidet. Eine umlaufende in Holz konstruierte leichte Loggia auf der Gartenseite deckt die raumhohen naturbelassenen Holzfenster. Die französischen Fenster auf der Strassenseite werden aussen mit einer farbigen Metallverkleidung (Holz-Metallfenster) geschützt. Ausgreifende textile Fallmarkisen, robuste Faltrollläden und weiche Sonnenschutzvorhänge auf der Loggia geben der Fassade ein zusätzliches Gepräge.