2019
Projektinfos

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren: 2019
Bauherrschaft: Baugenossenschaft Glattal Zürich
Mitarbeit: Johannes Walterbusch, Corinne Liebi, Lea Frauenfelder, Feng Zhang
Landschaft: Schmid Landschaftsarchitekten GmbH
Statik: dsp Ingenieure & Planer, Bruno Patt

 

Marilyn

Ortsprägende und identitätsstiftende Elemente

Nur in Affoltern und Seebach, an der ‚Nordküste‘ Zürichs, öffnet sich am Stadtrand unmittelbar die weite Landschaft der Wiesen und Felder. Umgekehrt dringen landwirtschaftlich genutzte Grünflächen wie Finger weit in den Siedlungskörper der Stadt hinein. Von diesen aufgefächerten Randlagen profitieren viele gartenstädtische Genossenschaftssiedlungen mit hohem Anteil an Boden nahem Wohnen und reichhaltigen Gärten. Die Siedlung Buchwiesen ist gleichermassen durch die landschaftlichen und städtebaulichen Elemente der Gartenstadt, die auf die städtebaulichen Prinzipien von Albert Heinrich Steiner zurück zu führen sind, geprägt. Die inselartigen Siedlungen mit Reihenhäusern und Wohnzeilen bis zu drei Geschossen weisen verschiedene, musterhafte Texturen auf und öffnen sich zur Landschaft hin. Grössere Interventionen der sechziger Jahre und die geplanten Verdichtungen mit Grossformen in der Nachbarschaft drohen die Leseart der durchgrünten Vorstadt zu verunklären.

Unser Vorschlag knüpft in der Setzung der Baukörper und in der Typologie der Wohnungen an den Prinzipien der Gartenstadt an. Von der Buchwiesenstrasse im Zentrum der Siedlung fächern sich viergeschossige Baukörper zur Landschaft, zum Katzenbach und zur Birchstrasse. Leichte Versätze in den Baukörpern korrespondieren volumetrisch mit den Abtreppungen der umliegenden Bauten.

Im Vergleich zur bestehenden Situation zeigt sich aber das neue Geviert analog zu neueren Siedlungen in der Umgebung – beispielsweise der Schönauring – stärker der Nachbarschaft und Stadt zugewandt. Es wird stärker als Teil des Quartiers gesehen und weniger als isoliertes Archipel. Buchwiesen ist keine Sackgasse mehr mit einer Wendeschleife, sondern ist an die Birchstrasse angeschlossen. Es gibt zwar keinen Grund als Aussenstehender mit dem Auto durchs Quartier zu fahren. Die Strassenräume signalisieren aber eine Offenheit gegenüber seinen Nachbarn.

Differenzierte Wohntypologien

An die Wohngassen grenzen Wohnung mit sehr differenzierten Qualitäten:

In den Kopfbauten werden jeweils zwei Wohnungen pro Geschoss vom offenen Treppenhaus her erschlossen. Sie sind dreiseitig orientiert und richten sich über einen eingezogenen Eckbalkon mit der abgeschlossenen Küche und dem grossen Wohn- und Essraum abwechselnd diagonal zum Garten oder zur Buchwiesenstrasse. Eine kleine Attikawohnung im Dachgeschoss profitiert von der grosszügigen Dachterrasse.

Die Wohnungen am Siedlungsplatz orientieren sich mit zweiseitigen Wohn-/Essräumen zum Platz und zur Landschaft. Eine raumhaltige Einschnürung in der Mitte kann mittels Vorhängen zu oder weggeschaltet werden und erlaubt eine mehrdeutige Zuordnung der Bereiche und so ein flexibles Bewohnen. Die Wohnungen werden rückseitig durch einen abgelösten Laubengang brückenartig erschlossen, eingezogene Veranden gliedern den Baukörper zum Platz und schaffen sowohl eine direkte Beziehung als auch Distanz.

Die unteren Reihenhauswohnungen sind durch ein bodennahes Wohnen zwischen den beiden angrenzenden Aussenräumen geprägt. Eine zur Gasse orientierte überhohe Eingangshalle, in der auch gekocht und gegessen wird, bildet das Herz und das Zentrum des Reihenhauses. Das Wohnzimmer orientiert sich als ruhiger Rückzugsraum zum privaten Garten. Die Schlafzimmer im oberen Geschoss haben über den Luftraum eine direkte Beziehung zu den Aufenthaltsräumen.

Die oberen Reihenhauswohnungen zelebrieren das etwas abgehobene Wohnen auf den Dächern. Ein überhoher Eingangs-, Koch- und Essraum spannt sich im Schnitt diagonal vom Laubengang im dritten Obergeschoss zur grosszügigen Dachterrasse. Der Wohnraum ist über ein langes Bandfenster zu den Baumkronen des Gartenhofs gerichtet. Zwei der drei Schlafzimmer im darunter liegenden Geschoss verfügen über kleine Balkone zum Garten oder zur Gasse.

Holzbau in frischem Kleid

Die Baukörper sollen vollständig in Holzbauweise erstellt werden. Das Fügen der einzelnen Elemente im Grossen und Kleinen bestimmt den Ausdruck der neuen Siedlung Buchwiesen.

Die einzelnen Wohneinheiten werden in ihrer Reihung und Stapelung durch die grossformatigen Fenster der überhohen Küchen ablesbar.

Mit den vier Vollgeschosse und dem Attika, sind die Bauten bei den Brandschutzanforderungen als „Gebäude mittlerer Höhe“ eingestuft. Diese Auflagen lassen sich im Holzbau problemlos erfüllen. Die Deckenelemente werden als Hohlkastenträger ausgebildet. Im Hohlraum dieser Elemente kann die Masse für den Schallschutz und die Wärmedämmung untergebracht werden. Durch eine 50mm Dicke Mehrschichtplatte an der Unterseite wird der geforderte Feuerwiederstand von EI 60 zwischen den Einheiten erfüllt.

Die an die Treppen und die Laubengänge im dritten Obergeschoss angrenzenden Wände werden mit nicht brennbaren, zementgebundenen Holzspanplatten (Duripanel) verkleidet. Die Laubengänge können jeweils in zwei Richtungen entfluchtet werden.