2020
Projektinfos

Studienauftrag auf Einladung: 2020 (1. Preis)
Bauauftraggeberschaft: Walder Stiftung
Mitarbeit: Yves Rechsteiner, Tenzin Dawa Tsamdha, Zhiyu Zeng

Urban & Flora

Combo

Eine aufgelöste strassenbegleitende Randbebauung und rückwärtige Hofhäusern prägen den Quartierteil ‚hintere Enge’. Eine beschwingte neuartige bauliche Combo aus repräsentativem Strassenhaus, luftigem Hofhaus und verbindendem Treppenhaus ist unsere quartierspezifische städtebauliche Antwort auf den Bauplatz an der Waffenplatzstrasse 18. Das neue Haus wird wie bis anhin über den gemeinsamen Eingangshof erschlossen. Das schmiedeiserne Eingangstor, die kleinteilige Steinpflästerung, eine grosse in die Pflästerung eingelegte massive Granitplatte aus dem Bestand der vorhandenen Aussentreppe und zwei grosse gläserne Vordächer des Vorgängerbaues werden erhalten und begrüssen weiterhin die neuen Bewohnerinnen. Ein Boulefeld lädt zum gemeinsamen Spielen ein. Wie Flügel kragen die beiden zeichenhaften Vordächer in den Aussenraum. Sie schützen in der Nähe des Hauseingangs den gemeinsamen Sitzplatz der Hausbewohner und auf der Gebäuderückseite den Velounterstand. Ein kleiner runder Pavillon wertet den gemeinsam genutzten Gartenhof auf der Strassenseite auf. Seine dicken Lehmmauern schützen vor dem Lärm der Strasse. Schatten spendet ein leichtes, traubenbewachsenes Dach. Der bestehende Baumbestand wird durch eine weitere Baumreihe zum Hof und drei Bäumen bei den Aussenparkplätzen ergänzt. Sträucher und Büsche schaffen einen lebhaften Garten rund ums Haus und schaffen geschützte Grünflächen für die erdgeschossigen Wohnungen. 

Strassenhaus

Das massiv gemauerte Strassenhaus an der Waffenplatzstrasse zeigt sich als klassische im Stadtboden verankerte Stadtvilla. Die Gliederung in der Vertikalen erfolgt durch ein mit Betonelementen verkleidetes Sockelgeschoss, umlaufende Betongesimse und einen laternenartigen Attikaaufbau im gewalmten Dach. Geschosshohe Eckfenster und vertikale Wandfelder aus eingefärbten gewellten Faserzementplatten gliedern zusammen mit dem markanten Erker den symmetrischen Aufbau der Fassade. Gewohnt wird im Stadthaus in gekammerten Wohnungen. Zimmerfluchten und Eckzimmer knüpfen an die Grosszügigkeit der bürgerlichen Wohnung an. Doppeltüren verbinden bei Bedarf die einzelnen gut geschnittenen Zimmer oder Raumkammern zu durchgängigen Raumenfiladen. Das zwischen zwei Zimmern angeordnete grosszügige Badezimmer ist natürlich belichtet und kann dank Klapptüren im Sinne Lux Guyers auch durchschritten werden. Die in den Strassenraum auskragende Erkerküche und die raumhohen Eckfenster brechen die Frontalität zur Umgebung auf und orientieren die Wohnungen in der Diagonalen zum Strassenraum und zum Hof aus. Im Zeichen der Nachhaltigkeit und des Bewahrens schlagen wir vor das bestehende Haus vor dem Abriss auf wiederverwendbare massive Parkettböden zu überprüfen, allfällig vorhandene Böden auszubauen und in den weissgeputzen Zimmern des tradierteren Strassenhauses als hölzerne Bodenfelder wieder einzubauen.

Hofhaus

Innenliegende Stützen an der Fassade machen das Hofhaus zu einem leichten, fast schwebenden Pavillon. Umlaufende Brüstungsfelder, grosszügige Fensterbänder und elegante Eckbalkone gliedern das Hofhaus in der Vertikalen. Die bereits beim Strassenhaus verwendeten eingefärbten Wellplatten werden um 90° gedreht auch beim Hofhaus als Brüstungsverkleidung verwendet. Gelebt wird im Hofhaus moderner. Die einzelnen Räume können mittels umlaufenden Bandfenstern und fassadenseitigen Verbindungstüren als ein Raumkontinuum erlebt werden. Tiefe Brüstungssimse laden zum individuellen möblieren ein. Luftige Fallarmmarkisen oder innenliegende Vorhänge schützen bei Bedarf vor Einblick und Besonnung. Ein kleiner auskragender Balkon verlängert den Wohnraum zum Hof hinaus. Das Hofhaus unterscheidet sich mit seinen gegossenen und geschliffenen Zementböden, den nur feldweise gestrichenen Betondecken und den sichtbar belassenen Betonkern ganz bewusst in seiner moderneren Materialisierung vom tradierteren Strassenhaus.

Community

Gewohnt wird an der Waffenstrasse 18 fast wie in einer kleinen Stadt. Gemeinschaftliche oder Sharing- Bereiche laden die Bewohnerinnen und Bewohner zum gegenseitigen informellen Austausch ein. Das Haus kann ganz unterschiedlich betreten werden. Wer Lust auf eine Begegnung hat entscheidet sich für den Hauptzugang vom Eingangshof her. Vielleicht hat man Glück und der Concierge, eine Bewohnerin oder vielleicht sogar ein Quartiernachbar arbeiten alleine oder zusammen im offen zugänglichen Co-Working-Raum neben der Eingangshalle? Oder man mag es etwas ruhiger und wählt den Nebeneingang über die gegenüberliegende Velohalle. Die hohen Erdgeschossräume im Strassenhaus können sehr flexibel und je nach Bedarf als Co-Working, Arbeitsateliers, Wohnateliers oder als Gästezimmer für die Hausgemeinschaft genutzt werden. Das zweiläufige Treppenhaus vernetzt über die Zwischenpodeste und den mittigen gemeinsamen Lift die Bewohnerinnen des Stadthauses mit den Bewohnern des Hofhauses. An der Nahtstelle zwischen dem Treppenhaus und dem Hof- bzw. dem Strassenhaus gelangt über durchgehende schmale Lichthöfe Tageslicht bis zu den Eingangspodesten. Kleine Bullaugen in den Lichthofwänden transportieren das Tageslicht in die Eingangsdielen der Wohnungen und ermöglichen einen beiläufigen Blick auf das Hausgeschehen.

Wohnungsvielfalt & Planungsflexibilität

Die Raumstruktur und die Schächte sowohl im Hofhaus wie im Strassenhaus sind so ausgebildet, dass eine Vielfalt von Wohnungen von unterschiedlicher Grösse, Atmosphäre (Strassenhaus/Hofhaus) für unterschiedliche Budgets, Wohnvorstellungen und Bewohnerschaften geformt werden kann. Die aufgezeichneten, über die Regelgeschosse flexibel kombinierbaren ‚Grundrissstecker’ für das Strassen- bzw. Hofhaus sollen diese Vielfalt und Planungsflexibilität aufzeigen. Das mögliche Spektrum geht von kleinen Studiowohnungen (34-44m2), sehr raumeffizienten Zwei- (56-63m2) und Dreizimmerwohnungen (63-82m2) bis zu Etagenclusterwohnungen oder Wohnungen für studentische Wohngemeinschaften (108-125m2) für zwei bis vier Personen. Die Wohnungsanzahl kann dank dieser Grundrissflexibilität von 12 bis 24 Wohnungen variieren.