2018
Projektinfos

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren: 2018
Bauauftraggeberschaft: Grün Stadt Zürich
Mitarbeit: Lucas Michael
Landschaftsarchitektur: Schmid Landschaftsarchitekten

Der Westen Zürichs wächst zusammen. Mit der aktuellen Transformation des Letziquartiers wird eine städtebauliche Lücke geschlossen. Letzi entwickelt sich von einem vom Gewerbe geprägten Gebiet in ein urban durchmischten Stadtteil mit attraktiven Wohnungen. Nach über 80 Jahren seit der Eingemeindung 1934 gehört nun Albisrieden und Altstetten aufgrund der Verfestigung des Letziquartiers definitiv zum Stadtkörper Zürichs. Der Park im Kochareal übernimmt hierbei eine wichtige Rolle als sozialer Kristallisationspunkt mit hohem Öffentlichkeitsgrad.

Der Park umfasst das gesamte Areal. Die imposante, mehrheitlich offene Halle ist in einem lichten Baumhain eingebunden und beides zusammen bilden ein Dach aus Blättern und Ziegeln. Darunter eröffnen sich Räume mit unterschiedlichen Atmosphären, die um Zuge der Entwicklung des Gebiets sukzessive angeeignet werden können: Café, Gärten, Konzerte, Spielorte, Restaurants, Liegewiese, Yoga, Markt und vieles mehr. Die Verteilung der vielfältigen, sich über die Zeit ändernden, teilweise überlagenden Nutzungen sind Ausdruck einer Nutzungsstrategie, wo Aktivitäten nicht streng in Zonen unterteilt werden, sondern mehr punktuell an verschiedenen Orten situiert sind, zu bestimmten auftauchen und wieder verschwinden. Somit umfasst der Spielplatz das gesamte Areal und die verschiedenen Gärten sind Teil des ‚Garten‘-Parks. Auch Marktsituationen können unter dem Hallendach stattfinden, aber auch auf dem Flur- oder Flüelaplatz.

Unser Vorschlag sieht vor die materiellen aber auch ideelle Werte der Halle bei zu behalten und die verschiedene Spuren der Zeit ablesbar zu belassen: die drei Etappen der Halle mit den eigenen charakteristischen Merkmalen, ein Teil der behelfsmässigen aktuellen Einbauten, die vielschichtige Zeichnung des Bodenbelags mit den integrierten Geleisen und der Drehscheibe. Die Eingriffstiefe soll minim bleiben, desshalb werden sowohl die tragende Brandwand zwischen der ursprünglichen Halle und der nördlichen Erweiterung als auch der mit Eternit verschindelte südliche Abschluss zur Rautistrasse beibehalten.

Das weit auskragende Dach bietet seitlich eine geschützte immer zugängliche Bewegungszone und erlaubt es die dazwischen liegenden Bereiche für unterschiedliche Nutzungen frei zu halten. Die drei Etappen der Halle werden dazu verschieden interpretiert. Sie übernehmen entsprechend differenzierte Funktionen und bieten vielfältige Möglichkeiten zum Gebrauch in unterschiedlichen Situationen:

Der mittlere älteste Teil der Halle wird weitgehend leer geräumt und dient als frei bespielbarer Ort für eine Vielzahl von Aktivitäten. Die Rundholzhalle bietet im Alltag einen wunderbaren regen- und sonnengeschützten Raum für Spiel und Aufenthalt. Sie ist Begegnungsort und Treffpunkt. Die Rundholzhalle kann für Haus- und Quartierfeste aber auch kleinere Kultur- oder Sportanlässe genutzt werden. Die nördliche Erweiterung der Rundholzhalle wird ebenfalls von der Zwischendecke und allen Einbauten befreit. Mit einem kleinen strukturellen Eingriff wird die mittlere Stützenreihe aufgehoben: Mit wiederverwerteten zusammengesetzten Balken der ausgebauten Deckenlage wird die zusätzliche Last der Firstpfette seitlich auf die bestehenden Fundamente abgeleitet. So entsteht eine ca. 15 x 30 Meter grosse stützenfreie Halle.

Diese dient im Alltag dem Zirkus Chnopf als Probehalle oder sie ist ein zusätzlicher, der Wiese zugewandter geschützter Raum des Aufenthalts und der Bewegung. Für besondere Anlässe wie ein Theater des Quartiervereins oder ein Sommerkino kann der Raum mittels einer umlaufenden Vorhangschicht abgedunkelt oder blickdicht verschlossen werden. Die Brandmauer dient dabei als Bühnenhintergrund oder grosse Projektionsfläche. Im Vorhangsaal können auch grössere private Anlässe wie ein Hochzeitsfest statt finden. Die für den Betrieb notwendige technische Infrastruktur wie Wasser und Strom ist an der Wand installiert. Bei grösseren Konzerten wird die vorgelagerte Wiese als Publikumsraum einbezogen.

Die südliche Erweiterung soll mit den originalen muralen Einbauten, aber auch mit weiter verwendbaren Einbauten der Gegenwart bestehen bleiben. Diese Räume beinhalten zum einen die Infrastruktur für den Park – Züri WC, Lager für Mobiliar, Bühnenelemente und technische Ausrüstung, minimale Haustechnik – und zum anderen zusätzlich aneigenbare windgeschützte Räume für Werkstätten, Besprechungen, Yoga, Übungskeller und so weiter. Diese Räume können im Eigenbau umgebaut und erweitert oder auch abgebrochen und neu gebaut werden und so den jeweiligen aktuellen Bedürfnissen der Nutzer angepasst werden.