2020
Projektinfos

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren: 2020
Bauauftraggeberschaft: PSP Real Estate AG
Mitarbeit: Yves Rechsteiner, Xuehan Li, Tenzin Dawa Tsamdha
Statik: dsp Ingenieure & Planer, Bruno Patt
Fassadenplanung: feroplan engineering AG, Marc Bischoff
Haustechnik: s3 engineering GmbH, Kevin Knecht, Florian Huber
Gastronomiefachplanung: H PLUS S Gastronomiefachplanung GmbH, Birgitt Hofer
Signaletik: Integral Axel Steinberger, Lukas Marti

 

hang loose

Zwischen Platz und See – Ein sich veränderndes Gesicht

Die vorgeschlagene Gliederung und Rhythmisierung der Schaufassade des ‚neuen’ Geschäftshauses knüpft atmosphärisch an der bestehenden steinernen Platzfront am Sechseläutenplatz an. Eine textile Beschattungsanlage aus Segeltüchern folgt dem Lauf der Sonne und inszeniert mit farbig flatternden Wimpeln die privilegierte Lage am See und am Platz. Je nach Wetter und Sonnenstand zeigt oder verhüllt sich die Fassade und oszilliert in ihrem Ausdruck zwischen Geschäftspalast und Segelschiff am Zürcher Seebecken.

Marmorstein und Eisen

Die feinmaschige Tragstruktur der Fassade wird erhalten und mittels zwei unterschiedlich breiten Pilaster rhythmisiert. Die Pilaster sind mit einem farblich den Sandsteinfassaden der umgebenden Gebäude harmonierenden Schweizer Marmor (Cristallina Tigrato Braun) verkleidet. Die breiteren Hauptstützen werden durch in der Horizontalen konkav gewölbte, die schmaleren Sekundärstützen durch in der Vertikalen geschwungene vorgehängte grossformatige Platten gebildet – das so gezeichnete Bild interpretiert die massive und verspielte Jugendzeit-Fassade des benachbarten Corso-Hauses. Die Natursteinpilaster sind unsichtbar mit einer hochwertigen Chrom-Nickel-Stahl-Unterkonstruktion an das bestehende Tragwerk montiert. Die über die gesamte Länge vorgehängte, konkav gewölbte Balkonbalustrade aus mit Weisszement versetztem Beton im ersten Obergeschoss gliedert das Haus in der Vertikalen und zeichnet ein Sockel- bzw. Eingangsgeschoss aus. Hier findet der Ankermieter eine prominente Beschriftung. Nach ihrer Funktion unterschiedliche Glasflächen werden zwischen die Pilaster gespannt: opake, weiss emailierte Gläser im Bereich der Deckenstirnen, transparente azurblau durchgefärbte Gläser für die Brüstungen und Klarglas für die Senk-Klappflügel. Die unterschiedlichen Glasflächen vermitteln die Atmosphäre eines lichtdurchfluteten, eleganten Geschäftshauses. Die auf Brüstungshöhe montierten rosafarbenen Abdeckungen und die geschwungenen messingfarbenen Fallarme der Markisen setzen dazu einen heiteren Kontrast. Die Seiten- und die Rückfassade sind verputzt und mittels rahmenden hellen Betonsimsen, – stürzen und -vordächern gegliedert.

Sonnentanz

Die segelähnlichen Markisen zeichnen den Verlauf der Sonne nach. Am Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die Platzfassade treffen fahren alle Markisen etwas nach unten und signalisieren den Betrieb. Ein orchestriertes Programm steuert die synchronisierten SMI-Motoren so an, dass die Aussicht auf Platz, See und Uetliberg stets maximal ist, die direkte Sonneneinstrahlung aber verhindert wird. Auch beim tiefsten Sonnenstand kann man das geschäftige Treiben auf dem Sechseläutenplatz beobachten und man erhascht noch einen Blick auf den See! In dieser untersten Position, die im Winter bereits um ca. 15.00 Uhr, im Frühling und Herbst jeweils um 18.00 Uhr und im Hochsommer um 20.00 Uhr erreicht wird, fährt der Stoff noch etwas weiter aus und die grossen Sonnensegel hängen leicht durch: hang loose. Das Geschäftshaus wird zum eleganten Segelschiff das in den Zürichsee sticht.

Licht, Luft, Sonne

Die nach aussen öffnenden Senkklappflügel lassen sich unabhängig vom aussen liegenden Sonnenschutz bedienen. Durch das Absenken der Klappflügel bis 15cm wird eine Zu- und Abluftsituation geschaffen, die neben der kontrollierten Raumlüftung eine natürliche Raumbelüftung möglich macht und vor allem den psychologisch wichtigen Kontakt zum Seebecken zulässt. Einzelne Senkklappflügel sind mit einer elektromechanischen Bedienung zur Nachtauskühlung ausgestattet. Die Windsicherheit der Fallarmmarkisen wird durch zusätzliche Stabilisierungsfedern erreicht.

Neue Vertikale Verbindungen für flexible Gewerbeflächen in der bestehenden Gebäudestruktur

Die Gewerbeflächen im Unter- und im Obergeschoss werden durch eine zentral gelegene Rolltreppe und eine grosszügige Wendeltreppe aufgewertet und an die die attraktive Passantenebene angebunden. Die Rolltreppe kann optional auch ins 1.Obergeschoss weitergeführt werden. Eine Restaurantnutzung im Obergeschoss wird mittels der elegant geschwungenen Wendeltreppe und der erdgeschossigen Bar direkt mit der Ebene der Passanten verbunden. Die über Eck orientierte Bar kann mit eigenem Eingang und einem Sanitärbereich im Untergeschoss auch unabhängig vom Restaurant betrieben werden.

Ein neues Treppenhaus, ein neuer Zugang von der Theaterstrasse und ein flexibleres Büroraster

Die Eingriffe in die bestehende Struktur sind minimal gehalten. Alle Stützen, das feinmaschige Fassadenraster, die tragenden Wände und die für die Struktur benötigten Bereiche der Decken werden beibehalten. Die Bürogeschosse in den Obergeschossen werden zusätzlich durch ein attraktives zweites Treppenhaus an der Brandmauer zum Corso von der Theaterstrasse her erschlossen. Die gewendelte Treppe und der neue Lift sowie zwei neu Steigzonen in der Mittelzone beanspruchen wenig Fläche, ermöglichen aber eine grosse Flexibilität in der Unterteilung und im Ausbau der Geschosse für unterschiedliche Mieter. Eine brandschutzkonforme Entfluchtung wird jeweils gewährleistet. Durch die Verbreiterung der bestehenden Fassadenstützen mit innenliegenden, raumhohen Holzspriessen kann das bestehende Büroraster in der Varianz von 1.87m – 1.98m auf 1.50m – 2.60m erweitert und so eine Vielzahl an verschiedenen Büroformen (Grossraum-, Zellen- oder Combibüros) oder Schulungsräumen angeboten werden.

Ein neues Dach

Das neue Haus bekommt ein Dach, dass dem Baukörper einen eleganten Abschluss in der Vertikalen verleiht. Es lehnt sich in seiner Form an die Nachbarbauten an, die leichte Krümmung der schrägen Flächen verbinden es formal aber auch mit den geschwungenen Markisen der Frontfassade. Im ersten Dachgeschoss finden sich grosszügige Büroflächen. Das Dach selbst nimmt die Lüftung der Bürogeschosse und zusätzliche Besprechungs- oder Schulungsräume für die Geschäftsflächen im 5. OG auf. Diese werden über Oblichter im flachen Bereich des Daches belichtet. Die geneigte Dachfläche auf der Südseite wird vollflächig mit geschuppt angeordneten Photovoltaikelementen zur Erzeugung von Strom für den Eigenbedarf bestückt.

Ein neues Haustechnikkonzept für eine effiziente Medienversorgung

Das Haustechnik- und Energiekonzept basiert auf sorgfältiger Anordnung der Technikflächen und Verknüpfung der Heiz- und Kühlsysteme, so dass die anfallende Abwärme optimal genutzt werden kann. Die neuen Haustechnikflächen im schlecht belichteten Bereich des 2. Obergeschosses funktionieren als Weiche zwischen den unterschiedlich optimierten Lagen der Vertikalverteilungen der oberen Bürogeschosse und der darunter liegenden Gewerbeflächen. So können diese jeweils kreuzungsfrei angesteuert werden und die Fläche der Lüftungszentrale im 2. Dachgeschoss kann zu Gunsten wertvoller Bürofläche minimal gehalten werden.