Studienauftrag auf Einladung: 2025
Bauauftraggeberschaft: Stanserhorn-Bahn AG
Mitarbeit Wettbewerb: Madleina Fischer (Projektleitung), Finja Wagener, Marvin Franz, Käthe Wünsch, Stefan Noser, Max Messner, Lea Frauenfelder
Bau- und Holzbauingenieur Wettbewerb: dsp Ingenieure + Planer
Holzbauingenieur Wettbewerb: Gruner AG
Landschaftsarchitektur Wettbewerb: Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH
Bau- und Holzbauingenieur Wettbewerb: dsp Ingenieure + Planer
Gastronomieplanung Wettbewerb: GaPlan GmbH
BALDACHIN
Basis, Schrein und Baldachin
An der Nordflanke des Stanserhorns krallt sich seit über hundert Jahren ein Sockel aus Naturstein an den Berg. Er ringt der steilen Topografie einen Bauplatz für die erste touristische Infrastruktur ab. An der Südflanke formen Stützmauern eine horizontale Geländeterrasse. Sockel, Terrasse und Berg bilden eine gemeinsame Basis – ein Zeichen der Permanenz und Ausgangspunkt des Weiterbauens am Stanserhorn. Die neue Bergstation ergänzt den Bestand mit einem eigenständigen Baukörper. Vier röhrenförmige Wassertanks aus Beton bilden eine plastische Stützmauer und fügen die Bauetappen zu einer Gesamtfigur. Darüber spannt sich ein grosses Dach wie ein Baldachin über die gemeinsame Basis. Skulpturale Betonstützen tragen die weit auskragende Holzkonstruktion. Im Osten entwickelt sich der Bau aus dem Sockel des ehemaligen Hotels zu Aussichtsterrasse, Feuerstelle und Kamin, im Westen zur Bergstation. Unter dem Dach liegen Ankunftsbereich, Loggia und der dreigeschossige Holzbau für Gastronomie und Seminar.
Das schützende Dach als Zeichen auf dem Berg
Das Dach wird bereits während der Anfahrt als neues Zeichen auf dem Stanserhorn lesbar. Mit der Annäherung löst sich die Grossform in eine feingliedrige Holzkonstruktion auf. Das nach Norden abgefaltete Dach überspannt den Ankunftsbereich und kragt über dem Sockel des ehemaligen Hotels aus. Die Besucherinnen und Besucher gelangen in eine hohe, gedeckte Halle über den Wassertanks. Bogenförmige Aussichtskanzeln öffnen den Blick auf Mittelland und Seenlandschaft und bieten geschützte Aufenthaltsräume. Bewegliche Verglasungen reagieren auf Wind und Wetter. Eine Bruchsteinmauer führt zur südlichen Aussichtsterrasse. Zusammen mit dem Dach entsteht ein klar gefasster Ankunftsraum mit Loggiacharakter und weiter Aussicht auf das Alpenpanorama.
Der Platz auf dem Berg
Der historische Platz wird von späteren Einbauten befreit und als zusammenhängender Freiraum wieder lesbar. Technik, Shop, Kiosk und Toiletten werden in den Hang verlegt. Hinter Bruchsteinmauern entstehen dienende Räume, der Weg folgt der Topografie. Die bestehende Stützmauer wird ergänzt und mit dem Sockel verbunden. Der Gratweg führt wie selbstverständlich auf die Terrasse. Das Räderwerk der ehemaligen Standseilbahn bleibt als Erinnerungsobjekt im Platzgefüge erhalten und markiert den Übergang zwischen Restaurant und Aussicht.
Gratwanderung zwischen Panorama und Tiefblick
Der Gratweg beginnt an der Bergstation. Natursteinpflästerungen führen zu den Aussichtspunkten, Bruchsteinmauern fassen den Raum und verbinden neue Anlage und bestehende Aussichtsbauten. Die Materialisierung knüpft an die topografische Logik des Ortes an und verankert die Anlage im Gelände.
Vielfältiges räumliches Angebot
Das neue Berggasthaus organisiert Gastronomie und Seminar über drei Geschosse. Unterschiedliche Raumhöhen, Auskragungen und Ausrichtungen erzeugen vielfältige Bezüge zu Alpen und Mittelland. Im Erdgeschoss liegen Selbstbedienung und Veranda, darüber Lounge und bedientes Restaurant mit grosszügigen Ausblicken. Unter dem geneigten Dach befindet sich der Seminarbereich mit Wandelhalle und gedeckter Dachterrasse. Die Räume öffnen sich je nach Nutzung zum Panorama oder zur Landschaft des Mittellands. Küche, Lager und Technik bleiben im bestehenden Sockel. Ein unterirdischer Verbindungstrakt entlang der Wassertanks sichert Anlieferung und Betrieb ohne Kreuzung der Besucherströme.
Nachhaltige Konstruktionsweise
Die Weiterverwendung des historischen Sockels spart erhebliche graue Energie und sichert die Kontinuität des Ortes. Die neuen Bauteile werden als leichte Holzkonstruktion ausgeführt, ergänzt durch Ortbeton in den tragenden Kernen. Das weit auskragende Dach schützt vor Witterung und Überhitzung und ermöglicht einen energieeffizienten Betrieb. Die südorientierte Dachfläche wird mit Photovoltaik belegt und trägt zur energetischen Autonomie bei.
Ein feingliedriges Haus auf stabilem Grund
Das neue Gebäude steht auf dem historischen Natursteinsockel und entwickelt sich als Holzskelettbau mit aussteifenden Betonkernen. Die Lasten werden gezielt in den Fels abgetragen, die Konstruktion bleibt schlank und räumlich offen. Holzfachwerkträger überspannen die Geschosse und ermöglichen stützenfreie Räume mit klarer Orientierung. In den Untergeschossen übernehmen schottenartige Betonwände die Lastverteilung und sichern die Fundation im Gelände. Der Bau verbindet Topografie, Konstruktion und Raum zu einer tektonischen Einheit.
Bauablauf
Der Ablauf für die Errichtung der neuen Anlage ist in drei wesentlichen Etappen vorgesehen:
1. Saison: Erstellung Lift, Neubau Räume UG vor Station und Wassertanks (Zugänglichkeit in Etappen gewährleistet), Umbau Betriebsräume der Bahn, Erstellung Shop, Kiosk und Toiletten
2. Saison: Provisorisches Restaurant in den Räumen des Shops, Abbruch bestehendes Gebäude, Sicherung Sockel Bestand in Deckelbauweise, Erstellung Treppenhaus, Liftkerne und Terrasse mit Kamin in Ortbeton (Dank Deckelbauweise Bautätigkeit gleichzeitig in die Tiefe und in die Höhe möglich), Anpassen Terrasse und Wege
3. Saison: Aufrichten Holzbau, Fertigstellen Gebäudehülle, Innenausbau in Zwischensaison
4. Saison: Eröffnung neues Berggasthaus auf dem Stanserhorn





























